Wenn dann auch noch Landrat Weskamp abhebt

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Am Wochenende fanden in Oranienburg die zehnte Handwerkermesse und die dritte Freizeit- und Tourismusmesse statt – Vor zehn Jahren bauten hier zum ersten Mal Händler ihre Stände auf

Von Marco Paetzel

Oranienburg (MAZ) | Und dann springt der Landrat auf das Trampolin, immer höher schießt er in die Luft. Elastische Seile sichern und beschleunigen ihn zugleich. Mehrmals fliegt Ludger Weskamp fast bis unter das Dach der MBS-Arena, die Menge in der Halle johlt. „Normalerweise meide ich alles, was höher als drei Stufen ist“, verrät Weskamp hinterher. Das Sprunggerät, der sogenannte „Quarter-Tramp“, war das Highlight der Freizeit- und Tourimusmesse, die am Sonnabend zum dritten Mal in der MBS-Arena stattfand. Im HBI-Sportforum nebenan drängten sich die Besucher derweil auf den Gängen der 10. Handwerkermesse Oberhavels. Landrat Ludger Weskamp, Oranienburgs Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, HBI-Chefin Heike Bergmann, Moderatorin Vivienne Netzeband und Co. machten am  Sonnabend zur Eröffnung beider Messen einen kleinen Rundgang durch die Hallen mit insgesamt 3600 Metern Ausstellungsfläche und 104 Ausstellern.

Der große Bahnhof hatte einen Grund: In diesem Jahr feiert die Handwerkermesse ihr zehntes Jubiläum. Bürgermeister Laesicke lobte die Tatsache, dass in all den Jahren immer regionale Unternehmen Vorrang hatten. „Hier bieten keine Vertreter ohne Beziehung zur Stadt ihre Produkte an, darauf hat Frau Bergmann als echte Lokalpatriotirr immer großen Wert gelegt“, so Laesicke. Oranienburg und der ganze Landkreis Oberhavel hätten seit Jahren starken Zuzug, es gebe auch viele junge Familien, die Eigenheime bauten. „Genau diese
Leute holen wir mit der Messe ab.“

Ob Dämmstoffe, Klimatechnik, Heizungssysteme, Raumausstattung, Sicherungssysteme, Kellertrockenlegung oder Zäune- die Besucher konnten sich auf der Messe rund um das Eigenheim oder die Mietwohnung informieren. Am Stand von Fliesenlegermeister Olaf Scholz blieb die kleine Delegation um Weskamp und Laesicke stehen und ließ sich neue Spezialfliesen zeigen. Sie sind 4,8 Millimeter dünn und lassen sich auf die alten Fliesen aufbringen. „So hat man das ganze Bad in zwei Tagen gefliest“, erklärt der Experte. Scholz ist Aussteller der ersten Stunde, schon bei der ersten Messe 2007 hatte er seinen Stand hier. Die Qualität der Aussteller sei in all den Jahren besser geworden. Zudem wüssten die Besucher heute genau, warum sie kommen. „Sie suchen hier nach Lösungen. Fast, als wenn sie zum Arzt gehen“, so der Oranienburger.

Ein paar Meter weiter brutzelte ein Schweinefilet in der Pfanne am Stand von Mike von Ahlen, der ein Musterhaus-Küchen-Fachgeschäft in Oranienburg betreibt. Der Clou der Küche: Die Dunstabzugshaube ist nicht wie gewöhnlich überdem Herd, sondern in die Kochplatte eingelassen. Sie saugt die Abluft an, die dann mit Fett- und Kohlefiltern gesäubert wird. „Am Ende wird die Luft wieder in den Raum
abgegeben“, erklärt Inhaber Mike von Ahlen. So gibt es keine verrauchte Küche und keine klebrige Mehr als 30 000 Besucher in zehn Jahren Abzugshaube mehr. Willi und Stefanie Blankenberg informierten sich derweil über Verbundfenster mit Aluminium. Das junge Paar hat im vergangenen Jahr in Mühlenheck ein altes Häuschen gekauft, das sie auf Vordermann bringen wollen. „Da bietet sich die Messe gut an, um mal einen Überblick zu bekommen“, so Willi Blankenberg, der demnächst Vater wird. Die Eintrittskarten hatte er von einem befreundeten Aussteller bekommen. „Da schaut man sich doch gerne auch gleich alles an“.

In der Arena nebenan hatten 42 Aussteller ihre Stände aufgebaut, davon 14 Vereine aus der Region. Der Modellfliegerclub Neuholland präsentierte ferngesteuerte Helikopter und Flugzeuge, der Kreissportbund bot Ergometer-Rudern und die Oberhaveler Volkssolidarität informierte über ihre Projekte. Viele Besucher blieben am Stand  des Geschichtsstübchens Birkenwerder stehen. Hier zeigten Barbara Hanke und andere Vereinsmitglieder, wie Hausfrauen vor fast 100 Jahren ihre Wäsche gewaschen haben. Mit Waschbrett, Kernseife und Wäschemangel war das damals eine Knochenarbeit, das wurde bei den Vorführungen der Frauen deutlich. Auch Strom für das Bügeleisen gab es damals nicht. Und so wurde es auf den Herd gestellt, bis es glühte. „Wir wollen vor allem jungen Leute einen Einblick geben, wie schwer das Leben damals war“, so Hanke.

Mehr als 30 000 Besucher in zehn Jahren

Die erste Messe für Handwerker hatte die Unternehmerin Heike Berg mann 2007 innerhalb von drei Monaten organisiert.

Auch damals waren wie am vergangenen Wochenende rund 60 Aussteller in der MBS-Arena vor Ort.

Doch das Interesse ist größer geworden, Heike Bergmann musste zuletzt 26 Ausstellern für dieses Jahr absagen. „Wir haben ja nur einen begrenzten Platz in der Halle.“

Rund 27 000 Besucher kamen insgesamt in den vergangenen neun Jahren, hat Organisatorin und HBI-Chefin Heike Bergmann Heike Bergmann hochgerechnet. Am vergangenen Wochenende kalkulierte sie mit etwa 6000 Besuchern an beiden Tagen. „Das Interesse der Leute hat über die Jahre zugenommen.“

Professioneller seien die Aussteller geworden. 2007 seien viele das erste Mal auf einer Messe gewesen, mittlerweile haben sie Routine.

Die Fluktuation der Aussteller ist groß, schon weil viele ihr Geschäft irgendwann abgeben.

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