Ausbildung als Herzensangelegenheit

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Zimmerei Spindler blickt auf 20-jähriges Bestehen zurück / Spende zum Firmenjubiläum kommt Jean-Ciermont-Oberschule zugute.

Von Friedhelm Brennecke

Oranienburg | Mit einem Vogelhäuschen, das er als Jugendlicher seiner Mutter zuliebe baute, fing seine Liebe zum Werkstoff Holz an. Daniel Spindler er hat das zu seinem Beruf gemacht. Seit 20 Jahren betreibt er in Oranienburg die Zimmerei Spindler und kümmert sich um zukünftige Fachkräfte für sein Handwerk.

Mit gerade mal 23 Jahren gründete der heute 43-Jährige gemeinsam mit einem anderen Gesellschafter im Juli 1998 die Zimmerei. Aus der GbR wurde 2001 eine GmbH. Als frisch gebackener Zimmermeister führt Daniel Spindler den Handwerksbetrieb seit 2001 allein. Heute arbeiten neun Gesellen, ein Auszubildender und ab 1. August noch zwei weitere Lehrlinge in dem Unternehmen, das seinen Sitz im Gewerbehof Schäferweg hat. Ehefrau Christin ist für Marketing und Vertrieb zuständig. „Er ist immer so bescheiden, prahlt nicht mit seinen Fähigkeiten“, sagt Christin Spindler. „Ich bin die impulsivere, und so ergänzen wir uns prächtig“, findet sie.

Seit 2005 ist die Zimmerei anerkannter Ausbildungsbetrieb der Handwerkskammer Potsdam. Sein Wissen weiter und jungen Leuten eine faire Ausbildungschance in einem klassischen Handwerk zu geben, ist für Daniel Spindler Herzensangelegenheit. So wie ihn sein damaliger Lehrmeister Ewald Klimach in Schildow beherzt an die Hand genommen habe, so versuche auch er, die Azubis auf ihren künftigen Beruf mit Sachund Fachverstand vorzubereiten.

Durchaus erfolgreich. Einer seiner besten Lehrlinge war 2009 Tobias Radtke. Seit neun Jahren ist er Spindlers rechte Hand und Vorarbeiter. Etwa 50 Prozent der Arbeiten seien der Bau von Dachstühlen aller Art und Dachausbauten. Klassiker für eine Zimmerei also. Jeweils 25 Prozent der Aufträge bezögen sich auf Sanierungen sowie auf den Bau von Terrassen, Wintergärten und Carports. „Neben allem, was mit Holz zu tun hat, bauen wir bei Terrassendächern und Wintergärten die gewünschten Verglasungen natürlich gleich mit ein“, sagt Daniel Spindler, der sich auf sein junges Team – das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 30 Jahren- „absolut verlassen kann“.

Der weiteste Auftrag sei vor vielen Jahren mal aus dem schwedischen Malmö hereingekommen. Die handwerkstechnisch größte Herausforderung sei ein großer Holzpropeller für ein Unternehmen auf dem Flughafen Schönefeld gewesen. Das Teil habe .aus dem Gebäude in einem bestimmten Winkel herausragen müssen, erinnert sich Daniel Spindler an eine sehr ambitionierte Arbeit. „Inzwischen sind wir nur noch in der näheren Umgebung, in einem Umkreis von vielleicht 30 Kilometern um Oranienburg, tätig“, sagt Christin Spindler.

Wie die meisten Handwerksbetriebe habe die Zimmerei derzeit so viel Arbeit, dass auch Aufträge abgelehnt werden müssten, sagt sie. Bevorzugt würden aber Aufträge in der engeren Heimat. Derzeit ziehen Spindler-Mitarbeiter etwa neue Balken im Mittelflügel des Oranienburger Schlosses ein. Über dem Bürgermeisterbüro sollen neuen Räume für die Stadtverwaltung entstehen.Auch die Zimmerarbeiten in der schmuck sanierten Lebnilzer „Villa Sachs“ (ehemaliges jüdisches Erholungsheim) kann Daniel Spindler als Referenz für sein Unternehmen verbuchen.

Auf ein gutes Betriebsklima legen die Spindlers großen Wert. Gemeinsame Unternehmungen mit den Mitarbeitern gehörten selbstverständlich dazu. Weil Spindlers selbst Eltern von vier Kindern sind, wissen sie, wie wichtig Familienfreundlichkeit ist. Eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit sei für ein motiviertes und produktives Team die beste Voraussetzung, so ihre Philosophie.

Anstelle von Geschenken zum Firmenjubiläum baten sie um Spenden für ein  „gutes Werk“. 3 000 Euro hätten Geschäftspartner und Kunden gespendet. .Dieses Geld soll der Jean-ClermontOberschule in Sachsenhausen zugutekommen“, sagen Christin und Daniel Spindler. Einmal in der Woche leitet der Zimmermeister dort die AG Holz und hat mit Schülern bereits eine Überdachung für den Grillplatz der Schule gebaut. Gutes Werkzeug sei in der Schulwerkstatt derzeit allerdings Mangelware, hat Daniel Spindler festgestellt. Das soll jetzt von der Spende angeschafft werden.

Der gute Kontakt zu der Schule mit dem praktischen Lernen sei zudem ein ideales Feld, um Nachwuchs für ehrbare Handwerksberufe heranzuziehen. Fachkräftemangel wäre sicher kein großes Problem mehr, wenn diesem Beispiel auch andere Betriebe folgen würden.

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